Nicolas Sturm & Das Klingen Ensemble
Booker: Jules Zimmermann"Sturm dichtet und singt auf seinem Debüt so schön wie zurzeit höchstens Gisbert zu Knyphausen." Rolling Stone
„Wow! Auch das gibt es bei uns. Wütende junge Männer mit dem Herz auf der Zunge (…) Großes, ganz großes Debüt“ MBeat
"Nicolas Sturm macht es irgendwie anders, irgendwie humorvoller – und vor allem – intelligenter." Musicheadquarter
"Dieser Sturm fegt über die deutsche Songwriter-Landschaft hinweg als ob's kein Morgen mehr gäbe." Slam
„Wer glaubt, er habe Nicolas Sturm verstanden, der irrt. Traurige Rauchringe und entschlossene Eiszapfen sind der Beweis. Und während sich die Kritiker überschlagen ob der bitteren Wahrheiten in seinen Texten oder der Ursprünglichkeit seiner Lieder zieht Sturm mit dem Klingen Ensemble tapfer durch die Lande, eine Spur der Verwüstung in den Köpfen seiner Zuhörer hinterlassend. Ich freue mich auf ein Wiedersehen!“ (M. Doman)
Aber hier leben, nein, danke? Mit 18 wollte er Deutschland für immer den Rücken kehren und nach England gehen, die Einladung von Sir Paul McCartney hatte er bereits in der Tasche. Ein Studium der Musik am Liverpool Institute For Performing Arts kam für Nicolas Sturm dann aber doch nicht in Frage. Stattdessen zieht er nach Freiburg, in die Stadt der Fahrradfahrer und Backgammon-Spieler, um sich der englischen Literatur und der Musik abseits universitärer Schablonen zu widmen. Er spielt in verschiedenen Bands, von Punk bis afrikanischem Pop, und nimmt mit, was er für seine eigene Musik gebrauchen kann. Mit einem Vierspur-Kassettenrecorder ausgerüstet, feilt Sturm an seinen Songskizzen, die er dann auf EPs selbst veröffentlicht. Seine „Doppelleben“ EP erscheint 2010 beim Netlabel OMAHA Records und erhält überschwängliche Kritiken. Es folgen Touren und Konzerte u.a. mit Guz von den Aeronauten und Gisbert zu Knyphausen. Stets an seiner Seite: Das Klingen Ensemble, Sturms Ein-Mann-Begleitband, bestehend aus dem Multiinstrumentalisten Jeremy Dhôme.
Diese gewachsene Duo-Einheit sollte denn auch die Grundlage für Nicolas Sturms gleichnamiges Debütalbum bilden, das nun endlich vorliegt. Alle Songs wurden live zu zweit eingespielt und später mit weiteren Instrumenten „verstärkt“. Rau und ungestüm kommen die 12 Stücke daher und haben trotz ihrer weitgehend akustischen Umsetzung etwas Elektrisch-Lärmendes an sich, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Kritiker sind einmal mehr begeistert. "Sturm dichtet und singt auf seinem Debüt so schön wie zurzeit höchstens Gisbert zu Knyphausen“, befindet der Rolling Stone, während Alles-Ist-Pop sich fragt, „wofür man stärker applaudieren soll, für die kunstvoll gearbeiteten kleinen musikalischen Schmuckkästchen oder die textlichen Kleinode, die sich in ihnen verbergen.“ Ja, es sind vor allem die Texte, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen und ihm zugleich ziemliches Kopfzerbrechen bereiten. Die Referenzen reichen von amerikanischer Populärmusik über verbrannte Dichter der Weimarer Republik bis hin zum alten Testament. Dabei legen die Songs oftmals ein ziemlich hohes Tempo vor, so dass man wie der Kerouacsche Tramp immer in Bewegung bleiben muss, um den Anschluss nicht zu verlieren, um den Zug nicht zu verpassen. Und ehe man es sich versieht, ist alles schon wieder vorbei.
Zurück bleibt das Gefühl, dass Nicolas Sturm es „irgendwie anders, irgendwie humorvoller – und vor allem – intelligenter“(Musicheadquarter) macht. Den „bodenständigen“, seine „echten Gefühle“ ausbreitenden Liedermacher sucht man auf diesem Album zumindest vergebens. Überhaupt wird die in der deutschen Musiklandschaft oft bemühte Suche nach „Authentizität“ bei Nicolas Sturm gerne ad absurdum geführt, wie Popconnection treffend anmerkt: „Zwischen Melancholie, Ironie und Surrealismus schwimmen die Wortbilder und machen es dem Zuhörer alles andere als einfach, den "authentischen" Nicolas Sturm zu erkennen. Im seltsamen Niemandsland zwischen Alltag und Surrealismus treiben seine Lieder, mal im Dickicht der Großstadt, mal im Labyrinth seiner Synapsen, und schaffen mehr Frage- als Ausrufezeichen.“
Ein Ausrufezeichen setzte jetzt die Udo-Lindenberg-Stiftung, die Nicolas Sturm anlässlich des Hermann Hesse-Jubiläumsjahrs den Panik-Preis verlieh, eine Auszeichnung für Künstler, die sich mit ihren Texten jenseits des Mainstreams bewegen. Nachdem Nicolas Sturm dann auf Einladung des Goethe-Instituts ein Konzert in Sankt Petersburg spielen durfte, ließ es sich schließlich auch Harald Schmidt nicht nehmen, Nicolas Sturm und das Klingen Ensemble in seine Show einzuladen.
So weit, so gut. Doch das bisher schönste Kompliment stammt nach wie vor von Peter Handke. Nicolas Sturm, das sei „Deutschsprachige Popmusik, die man hören kann, ohne dass sich einem dabei der Wunsch aufdrängt, dem Sänger eine halbgare Kartoffel in den Mund zu stopfen.“ Wobei die Ironie natürlich darin liegt, dass der Mann, der diesem Schicksal völlig verdient entgeht, doch selbst so lange mit der deutschsprachigen Popmusik haderte. Damals, als er noch überlegte, sein musikalisches Glück vielleicht in Liverpool zu suchen.


